Die Serra de Tramuntana (spanisch: Sierra de Tramontana) ist ein Gebirgszug im Norden Mallorcas. Der gleiche Name bezeichnet eine der sechs Landschaftsregionen (comarques) von Mallorca, die nach der Gebirgskette benannt ist aber etwas über die Fläche des Gebirges hinausreicht.
Die Berge der Serra de Tramuntana bedecken eine Fläche von 1.067 km² und erstrecken sich auf eine Länge von mehr als 90 Kilometer. Sie sind der Lebensraum von rund 20.000 Einwohnern, von denen etwa die Hälfte in Söller leben. Das Hauptgebirge nimmt den gesamten West- und Nordwestteil Mallorcas ein.
Die Serra de Tramuntana steigt am Puig Major, der höchsten Erhebung Mallorcas, bis auf 1445 Meter empor. Unterhalb des Puig Major liegen die beiden Trinkwasser-Speicherseen Embassament de Cúber und Embassament des Gorg Blau, die ihre überschüssigen Wasser in den Canyon Torrent de Pareis abführen.
Das Gebirge ist durch Straßen und viele Wanderwege gut erschlossen. Es ist bisher vom Massentourismus weitestgehend verschont geblieben und ideal zum Wandern und Fahrrad fahren. Die Serra de Tramuntana besticht durch die oft spektakulär schöne, wilde Landschaft, die noch über weite Strecken von einer ursprünglichen Vegetation überzogen ist und durch ihre weitgehend intakte, unverbaute Natur.
Vor mehr als 300 Millionen Jahren kam es im Bereich des heutigen Mitteleuropa zu einer Begegnung der Urkontinente von Nordamerika, Eurasien und Afrika. Als Folge wurden von Spanien bis weit nach Osteuropa neue Gebirge aufgefaltet. Das Gebirge der Serra de Tramuntana sowie der Serra de Llevant im Osten und die aufragenden Hügelland-Komplexe der Mittelzone von Mallorca bestehen aus mesozoischem Kalkgestein, vornehmlich des Jura vor 180 Millionen Jahren. Die Insel ist bis zu 90 Prozent verkalkt. Auch unter den tertiären und quartären Ablagerungen der heutigen Zentralebene befindet sich Kalkgestein.
Durch Urkräfte des Erdinneren wurde Mallorca zusammengedrückt und verkleinerte sich dabei um mindestens 55 Prozent. Die Ablagerungen des Jura wurden regelrecht zerfetzt und mehrfach „bereinandergeschoben. Die Folge war die Heraushebung der heutigen Gebirgs- und Hügellandformationen. Im Tertiär wurde die niederen Bereiche der Insel vollständig vom Meer überflutet. Die Gesteine der Trias, des Jura sowie der Kreide wurden von den Ablagerungen des jüngeren Tertiärs überlagert. Durch heftige Niederschläge des Quartärs wurden riesige Schuttmengen vornehmlich aus der Serra in das Flachland transportiert, die Risse und Schluchten dieses Gebirges wurden weiter vertieft. Das im Regenwasser und so auch im Bodenwasser enthaltene Kohlendioxid löste große Mengen von Kalk auf, was zur Verkarstung der Gebirgs- und Hügelregionen der Insel führte. Die herausgehobene Lage, die große Klüftigkeit, Reinheit und Mächtigkeit des Kalkgesteins erhöhten die Verkarstungsfähigkeit. In den verschiedenen Höhlen, besonders im Gebiet der Serra de Llevant, in fruchtbaren, ausgefüllten Hohlformen (sogenannten: Poljen) des Hauptgebirges und der bizarren Karrenlandschaft, die allerdings lokal beschränkt ist, finden die Karsterscheinungen ihre besondere Ausprägung.
Es ist ein besonderes Merkmal dieses Küstengebirges, dass in Höhen über 600 Meter plötzlich eine, wenn auch beschränkte Ackerbauzone mit vereinzelten Ansiedlungen auftaucht, während in den tieferen Lagen nur in einzelnen Tälern Feldbauterrassen mit Orangen- und Mandelbäumen oder Olivenanbau möglich sind.
Das Karstgebirge des Nordens hat hier eine bizarre Formenwelt entstehen lassen, die in ihren scharfkantigen Karrenfeldern und den spitzen Karrengraten, die immer bis in das feinste gegliederte Lösungsrillen aufweisen, an Kleinformen aus dem tropischen Karst erinnert. Die einzelnen Karren sind mehrere Meter hoch und laufen kegelförmig nach oben aus. Sie stehen dicht nebeneinander und lassen die einzelnen Kalkbänke erkennen, aus denen sie herausgearbeitet worden sind.
Besonders eindrucksvoll sind solche Formen in der Nähe der Straße, die das Gebirge von Inca am Gebirgsfuß bis zur Küste bei Sa Calobra quert, so auch in der Nähe des berühmten Santuario de Lluc. Ähnliche Formen zeigen sich an den Kalkfelsen unmittelbar an der Felsenküste der Bucht von Sa Calobra.
Quelle: http://www.wikipedia.de